Judo – der sanfte Weg

Gründung

Die Gründung der Judoabteilung des TSV 1863 Tauberbischofsheim fand am 26. September 1966 durch den Initiator Oberleutnant Klaus-Dieter Greifenberg statt. Zu dieser Zeit war der Judosport in Tauberbischofsheim kaum bekannt. Zum Teil glaubte man, dass es sich im Judo um eine Art „Schlägerausbildung“ handle. Umso erstaunlicher war das große Interesse an der Gründungsversammlung, denn 50 Interessenten erklärten spontan durch Unterschrift ihren Beitritt. Klaus-Dieter Greifenberg wurde im Verlaufe der Versammlung zum ersten Abteilungsleiter gewählt. Als erster Trainer stellte sich Polizeihauptmeister Karlheinz Seubert zur Verfügung, der seine Kenntnisse auf der Polizeischule in Freiburg erwarb.

Um aber den neuen Mitgliedern aufzuzeigen, was eigentlich wirklich Judo ist, konnte man Willi Beck, den ersten Präsidenten des Nordbadischen Judo-Verbandes, im Oktober 1966 zu einem Einführungswochenendlehrgang nach Tauberbischofsheim ins Winfriedheim gewinnen. Er zeigte gleich in den ersten Trainingseinheiten auf, dass nur strenge Disziplin und hartes Training zum Erfolg führen kann.

Aus Raumnot wurde vorerst das Training nur auf der Bühne der Stadthalle durchgeführt. Zu dieser Zeit standen noch nicht einmal reguläre Judomatten zur Verfügung und so war man gezwungen auf normalen Turnermatten zu trainieren.

Die erste Jugendgruppe und internationale Kontakte

1967 musste Oberleutnant Greifenberg aus beruflichen Gründen die Abteilungsleitung an Konrad Fischer übergeben, der als Werbeleiter in der VS tätig war. Nach den Sommerferien 1968 konnten die Trainingsstunden endlich in die neu erbaute Gymnastikhalle der Grundschule Ost verlegt werden. In diesem Jahr wurden auch die ersten offiziellen sportlichen Beziehungen zum Judo-Club der Partnerstadt in Vitry-le-Francois geknüpft. Im Rahmen seiner Nachwuchsförderung und aufgrund großer Nachfrage gründete Fischer 1969 erstmals eine Gruppe für den sechs- bis zwölfjährigen Nachwuchs.

Sportliche Erfolge beginnen

Durch berufliche Veränderung von Konrad Fischer ging 1970 die Abteilungsleitung an Pfarrer Heinrich Roth aus Werbachhausen. Die Jugendgruppe übernahm damals als Trainer der aktive Orangegurtträger Joachim Fels. Dieses Amt nimmt er neben der Abteilungsleitung noch heute wahr. In dieser Zeit hatte die TSV-Judoabteilung keinen festen Trainer für die Fortgeschrittenen. Zeitweise führte dieses Training ein beim Autobahnbau tätiger Ingenieur durch. Im Jahr 1972 ging dann die Abteilungsleitung an den langjährigen Trainer Karlheinz Seubert über. Im gleichen Jahr stellten sich bei den TSV-Judokas die ersten Erfolge ein. Gertrud Gunter, Bettina Kuhn, Marianne Podlech und Beate Riedelberger siegten bei den Nordbadischen Einzelmeisterschaften der weiblichen Jugend-A und qualifizierten sich als erste „Bischemer“ für die Badischen Landeseinzelmeisterschaften. Diese Erfolge sind nicht zuletzt auf die verbesserten Trainingsbedingungen zurückzuführen. Denn schon 1971 hatte man das Glück in die Aula (Turnhalle) des Berufsschulzentrums umzusiedeln und auf einer Mattenfläche von 200 Quadratmetern zu trainieren.

Aus persönlichen Gründen musste das Gründungsmitglied Karlheinz Seubert 1975 die Abteilungsleitung abgeben. Zum Nachfolger wurde Gerhard Schult gewählt. Auch gewann man wieder einen festen Trainer und Bundesligakämpfer für die Fortgeschrittenengruppe, Wolfgang Mittmann (1. Dan) aus Marktheidenfeld. Auch Gerhard Schult musste im Jahr 1977 aus beruflichen Gründen die Abteilungsleitung wieder abgeben.

Neuer Schwung durch Wilfried Roppelt

Mit Wilfried Roppelt hatte die TSV-Judoabteilung einen Glücksgriff gelandet. Durch seine Persönlichkeit wurde die Abteilung neu motiviert, vor allem die Öffentlichkeitsarbeit angekurbelt und die Mitgliederzahl stieg an. Öffentlichkeitsarbeit bedeutete aber auch Judo-Schaudarbietungen bei Weihnachtsfeiern oder Vereinsjubiläen in den umliegenden Städten und Gemeinden. Mit sportlichen Glanzpunkten wartete Hildegard Arnold auf, denn sie belegte 1977 und 1978 jeweils einen ausgezeichneten 3. Platz bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften und 1980 sogar den 2. Platz.

Erfolgreicher Trainerwechsel

Nach sechsjähriger erfolgreicher Tätigkeit musste 1979 Wolfgang Mittmann aus beruflichen Gründen die Trainingsarbeit in Tauberbischofsheim beenden. Mit ihm war in diesem Zeitraum die Männermannschaft der Abteilung äußerst erfolgreich. Sie verpasste mehrmals nur knapp den Aufstieg in die Landesliga. Als Nachfolger konnte wieder ein erfolgreicher Judoka für die Erwachsenen mit Dieter Dörr (4. Dan) aus Wertheim gewonnen werden. Aufgrund seiner hervorragenden Kenntnisse im Judo und auch seiner Persönlichkeit konnte die TSV-Judoabteilung 1980 ihre ersten Judo-Fachübungsleiter aus den eigenen Reihen vorweisen – diese waren Joachim Fels und Rudi Hohnerlein. Beide Judosportler stehen heute noch an der Spitze der Abteilung. Das Leistungsniveau der Bischemer Judokas war mittlerweile so gestiegen, dass 1982 sechs Aktive sich erfolgreich der Prüfung zum 1. Dan (Schwarzgurt-Meisterprüfung) erstmals unterzogen. Es waren dies Hildegard Arnold, Joachim Fels, Rudi Hohnerlein, Martin Kastl und Eleonore Ott sowie der Trainer Dieter Dörr zum 4. Dan.

Heute kann die Judoabteilung stolz sein auf einen 4. Dan-, einen 3. Dan-, zwei 2. Dan- und zweiundzwanzig 1. Dan-Träger.

Weiterentwicklung mit Joachim Fels

Aus beruflichen Gründen musste auch Wilfried Roppelt 1984 die Abteilungsleitung wieder abgeben. Als Nachfolger wurde sein Stellvertreter und langjährige Jugendtrainer Joachim Fels bestimmt. Joachim Fels verstand es den von Roppelt eingeleiteten Führungsstil weiterzuentwickeln und dadurch neue und noch größere sportliche Erfolge zu erzielen.

Überragende Erfolge in den letzten Jahr(zehnten)

Allein sieben Süddeutsche Einzelmeisterschaften wurden in den vergangenen 20 Jahren als Ausrichter mit Bravour gemeistert. Alle sportlichen Erfolge in den letzten fast fünf Jahrzehnten hier aufzuzählen würden mit Sicherheit bei weitem den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Mit Johanna Schumann hat die TSV Judoabteilung seit vielen Jahren eine absolute Ausnahmekämpferin. Als siebenfache Badische- und zweifache Baden-Württembergischer Meisterin sowie ein 5. Platz bei den Internationalen Deutschen Einzelmeisterschaften der U17 und die Berufung in den DJB-Nationalkader der U17 vor einigen Jahren und seit elf Jahren als aktive Bundesligakämpferin ist sie das Aushängeschild der Abteilung.

Natürlich sind die übrigen sportlichen Erfolge der einzelnen TSV-Athleten nicht unter Wert zu schlagen. Mit Miriam Cimienga als mehrfache Badische Meisterin und zweifache Baden-Württembergische Meisterin (1996 und 1997) ging es erst richtig bergauf. Mit Torsten Zettelmeier (1999 in der U20) und Franka Braun (2002 in der U15) hat man sogar zwei Süddeutsche Vizemeister sowie mit Sebastian Kremer (1998 in der U15) und Hannah Facklamm (2010 in der U14) Bronzemedaillengewinner. Alle vier TSV-Judoka konnten somit bei Deutschen Einzelmeisterschaften einmal hineinschnuppern.

Mit Torsten Zettelmeier stand 2010 ein Tauberaner erstmals bei Deutschen Einzelmeisterschaften durch den Gewinn der Bronzemedaille auf dem Siegerpodest. Im selben Jahr belegte er bei den Europameisterschaften der Senioren einen überragenden 7. Platz.

Langjähriges Ehrenamt

Joachim Fels und Rudi Hohnerlein, die Stützen der Abteilung, bekamen im Jahr 2000 in Würdigung langjähriger Verdienste im Ehrenamt die Ehrenadel des Landes Baden-Württemberg verliehen.

Ein weiterer Meilenstein in der Abteilung war die Auszeichnung zum „Trainer des Jahres“ durch den Deutschen Judo-Bund im Jahr 2007 an Joachim Fels für seine hervorragende Jugendarbeit.

Tolle Projekte, tolle Preise

Nicht nur Judo ist gefragt, auch im überfachlichen Bereich ist man sehr aktiv. Dies zeigt vor allem die große Anzahl von Auszeichnungen und Preisen, welche die Abteilung seit vielen Jahren einfährt. Einen „echten Knaller“ landete man im Jubiläumsjahr, als die TSV-Judoabteilung zum Landessieger 2010 beim Lotto-Award Baden-Württemberg und beim Präventionspreis 2011 des Innenministeriums gekrönt wurde.

Aufgrund des großen Engagement und außergewöhnlicher Jugendarbeit wird die Judoabteilung regelmäßig mit Preisen des MuM-Sportjugendförderpreises ausgezeichnet. Weitere Preise unter den Besten erreichte man bei „Sterne des Sports“, einem Vereinswettbewerb der Badischen Sportjugend, beim Bundes-Präventionspreis gegen Gewalt von Videos auf dem Handy (ein Präventionspreis in Baden-Württemberg durch das Innenministerium), beim Fairplay-Preis der Tauber-Zeitung und Fielmann, beim DJB-Safari-Wettbewerb und dem Internationaler Ehrenpreis durch die Robert-Bosch-Stiftung.

Fortwährend beteiligt sich die Judoabteilung regelmäßig an den gesellschaftlichen Veranstaltungen der Stadt Tauberbischofsheim, des Landkreises sowie dem Sportkreis und der Sportkreisjugend.

Internationale Partnerschaften

Neben den vielfältigen Aktivitäten der Abteilung findet sich noch Zeit auch die internationalen Beziehungen zu unseren Partnerschaft-Judoclubs Vitry-le-Francois (Frankreich) seit 1966, Judo-Club Gemenc in Szekszard (Ungarn) seit 1997 und dem Toshi Dojo Brandenburg in Kentucky (USA) seit 2008 zu pflegen. Immer wieder wurde man dort mit überwältigender Gastfreundschaft empfangen.

Freizeitaktivitäten und Kameradschaft

Dass in der Abteilung die Kameradschaft besonders gepflegt wird, zeigt sich immer wieder an der DJB-Safari, den Zeltlagern, den Ausflügen und vielem mehr. Viele haben den 5. Kyu (Gelbgurt) abgelegt und haben dann dem Judo – aus welchen Gründen auch immer – den Rücken gekehrt. Manche sind jedoch nach vielen Jahren wieder mit ihren eigenen Kindern zurückgekommen und betreiben Judo heute als Freizeitsport.

Trotz aller erdenklichen Widrigkeiten, wie häufiger Trainingsausfall aufgrund anderweitiger Hallenbelegung und weiten Anfahrtswegen zu den Meisterschaften (rund 20.000 Kilometer im Jahr), kann man mit berechtigtem Stolz auf bemerkenswerte Erfolge zurückblicken. Um es auf den Nenner zu bringen: Die Judoabteilung hat aus einem Minimum das Maximum herausgeholt. Über 45 Jahre Judo in Tauberbischofsheim ist ein stolzes Jubiläum, worüber sich die Abteilungsleitung und Trainer ganz besonders freuen, denn die Früchte, die man einfahren konnte, sind einfach überragend!

Die Abteilungsleitung